B) Die Bewerbung – oder, alles ist Marketing!
Wie eingangs dargestellt, verschaffen sich potenzielle Arbeitgeber anhand Ihrer Bewerbungsunterlagen einen ersten Eindruck von Ihnen. Da Sie in den seltensten Fällen der einzige Bewerber sind, gilt es, sich positiv von der Masse abzuheben. Das bedeutet, Marketing in eigener Sache zu betreiben. Ein Thema, das speziell uns Deutschen im Gegensatz zur amerikanischen Kultur eher fremd ist.
Bescheidenheit mag ein sympathischer Charakterzug sein, im Bewerbungsverfahren aber geht es darum, Ihre Persönlichkeit und Ihre bisherigen Erfolge selbstbewusst, angemessen und ehrlich unter Beweis zu stellen.
In diesem Abschnitt erhalten Sie wichtige Informationen zu folgenden Punkten:
I) Welche Unterlagen gehören in meine Bewerbung?
Hier sollten Sie zwischen einer Kurzbewerbung und einer vollständigen Bewerbungsmappe unterscheiden. Ist nur eine Kurzbewerbung gefordert, reichen ein Anschreiben sowie ein tabellarischer Lebenslauf. In den meisten Fällen werden jedoch vollständige Bewerbungsunterlagen bevorzugt.
Achten Sie dabei genau auf die Stellenausschreibung. Typische Formulierungen wie: „Wir freuen uns auf Ihre vollständigen Bewerbungsunterlagen...“ oder „Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen senden Sie...“ lassen erkennen, dass eine Kurzbewerbung an dieser Stelle nicht ausreicht.
Zu einer vollständigen Bewerbungsmappe gehören:das Anschreiben, ein tabellarischer Lebenslauf sowie alle relevanten Zeugnisse als Beleg Ihrer bisherigen schulischen und akademischen Leistungen bzw. Praxiserfahrung.
Nützliche Hinweise:
 | Achten Sie unbedingt darauf, dass Ihre Unterlagen vollständig sind. Ihnen mag der Aufwand, fehlende Unterlagen von Bewerbern nachzufordern, gering erscheinen. Aus Sicht der Unternehmen, die täglich mit einer Vielzahl an unvoll-ständigen Bewerbungen konfrontiert sind, stellt dies jedoch einen enormen Aufwand dar. |
 | Auf die Verpackung kommt es an (wenn es sich nicht gerade um eine Online- oder E-Mail Bewerbung handelt). Achten Sie hierbei gleichermaßen auf ästhetische wie praktische Aspekte. Ein Schnellhefter kommt selbstverständlich nicht in Betracht. Ebenso wenig die Hightech-Mappe, die dem Sachbearbeiter beim Suchen des Lebenslaufs Kopfschmerzen bereitet. Lassen Sie sich in gut ausgestatteten Schreibwarenläden beraten. |
 | Achten Sie bei Online-Bewerbungen auf Ihre Dateigröße. Häufig setzen Unternehmen maximale Dateimengen fest. |
 | Alle Unterlagen sind in einer hochwertigen Qualität zu liefern. Dies gilt sowohl für Post- als auch für Online- Bewerbungen. Sparen Sie nicht an der Kopierqualität und vergewissern Sie sich, dass eingescannte Dokumente gut lesbar sind. |
II) Worauf muss ich beim Anschreiben achten?
Das Anschreiben stellt die erste Seite der Bewerbungsmappe dar. Es ist so etwas wie Ihre Visitenkarte und beantwortet vor allem die Frage, warum Sie sich für die ausgeschriebene Position interessieren und warum genau Sie der richtige Kandidat für diese Stelle sind.
Das Anschreiben sollte nicht mehr als eine DIN-A-4 Seite umfassen und übersichtlich gegliedert sein. Neben der richtigen Adressatenansprache ist eine aussagekräftige Betreffzeile hilfreich. Am besten beziehen Sie sich hier auf die konkrete Ausschreibung. Dies hilft dem Kollegen vor Ort, Ihre Bewerbung schnell zuzuordnen.
Gerne können Sie im ersten Absatz Bezug nehmen auf bereits geführte Gespräche mit Unternehmensvertretern (zum Beispiel auf einer Recruiting-Messe). Auch ein bereits absolviertes Praktikum im Unternehmen ist eine interessante Information, die sich bestens als Einstieg nutzen lässt.Eines sollten Sie auf alle Fälle vermeiden: grundlose Anrufe beim Unternehmen, um sich dann auf das freundliche Telefonat zu beziehen, das Sie in Ihrer Bewerbungsabsicht bestätigte.
Wenn Sie sich vorab bei dem Unternehmen melden, sollten Sie hierfür einen triftigen Grund haben (bspw. benötigen Sie weiterführende Informationen zur Stellenbeschreibung). Vermeiden Sie Fragen, die sich aus der Stellenanzeige beantworten lassen!
Hierzu ist es wichtig, die Stellenanzeige gründlich zu lesen und dabei die Anforderungen vollständig zu erfassen. Differenzieren Sie dabei zwischen Muss-Kriterien („Sie verfügen über verhandlungssichere Englischkenntnisse“) und Kann-Kriterien („eine zweite Fremdsprache wäre ideal“).
Nach Analyse der Stellenanzeige sollte Ihnen der zweite Absatz des Anschreibens nicht schwer fallen. Dort beantworten Sie die Frage, warum Sie sich auf die ausgeschriebene Stelle bewerben und was Sie dem Unternehmen zu bieten haben - fachlich wie persönlich. Dabei ist es entscheidend, die wichtigsten Kenntnisse und Eigenschaften mit Beispielen zu belegen. Beziehen Sie sich dabei auch auf frühere Praktika oder Ihr außeruniversitäres Engagement.
Im dritten Abschnitt sollten Sie verdeutlichen, warum das ausschreibende Unternehmen für Sie als potenzieller Arbeitgeber interessant ist. Nennen Sie an dieser Stelle möglichst unternehmensspezifische Gründe. Allgemeinplätze wie Unternehmensgröße wirken wenig überzeugend. Sollten Sie mit dem Unternehmen bisher wenig vertraut sein, informieren Sie sich auf seiner Homepage.
Organisatorische Hinweise sollten Sie im folgenden Abschnitt ansprechen. Hierzu zählen bspw. Ihr Wunschstandort, der mögliche Startzeitpunkt oder – falls ausdrücklich gewünscht – auch Ihre Gehaltsvorstellung.
Das Ende des Anschreibens markiert ein freundlicher, aber auch bestimmter Abschluss. Verdeutlichen Sie, dass Sie sich auf ein Vorstellungsgespräch freuen, um das Unternehmen von Ihrer Persönlichkeit und Ihrer Leistungsfähigkeit zu überzeugen.
Nützliche Hinweise:
 | In aller Regel wird das Anschreiben von Seiten der Unternehmen erst nach dem Lebenslauf gelesen. Dennoch sollten Sie ausreichend Zeit in das Anschreiben investieren. Vermeiden Sie unbedingt unpersönliche Massenanschreiben. |
 | Oft versenden Sie mehrere Bewerbungen gleichzeitig an unterschiedliche Unternehmen. Achten Sie deshalb darauf, jedes Anschreiben richtig zu adressieren und die Namen der Adressaten korrekt zu schreiben. |
 | 'Fähler'und eine falsche Interpunktion im Anschreiben sind ein Killerkriterium. Geben Sie das Anschreiben vor Versenden Ihren Freunden und bitten um Korrekturlesen. |
 | Wählen Sie eine gut lesbare Schriftart und Schriftgröße und achten Sie darauf, diese nicht zu wechseln. Es empfiehlt sich, im Anschreiben und Lebenslauf dieselbe Schriftart zu verwenden. |
 | Das Anschreiben wird „lose“ auf die Bewerbungsmappe gelegt. |
III) Was umfasst ein Lebenslauf?
Der Lebenslauf ist das entscheidende Dokument in Ihrer Bewerbung. Er ist nicht mit einem Inhaltsverzeichnis zu verwechseln. Der Lebenslauf präsentiert alle bewerberrelevanten Informationen kompakt und übersichtlich und verdeutlicht so, warum der Bewerber der richtige Kandidat für die ausgeschriebene Stelle ist.
Ihr Lebenslauf sollte in den ersten Berufsjahren nicht mehr als zwei Seiten umfassen und tabellarisch gegliedert sein. Neben den persönlichen Daten präsentieren Sie Ihren schulischen und akademischen Werdegang, führen den Wehr- oder Zivildienst sowie eine eventuell absolvierte Berufsausbildung auf. Schließlich benennen Sie die für das Zielunternehmen relevante Praxis- und Forschungserfahrung.
Darüber hinaus sind Ihre Sprach- und EDV-Kenntnisse ebenso wichtig wie weitere berufsbezogene Fähigkeiten und Qualifikationen. Dem außeruniversitärem Engagement sollten Sie ebenfalls ausreichend Platz einräumen.
Unterschiedliche Meinungen herrschen hinsichtlich der Erwähnung von Hobbys und persönlichen Interessen. Fakt ist, dass man meist mehr Zeit im Unternehmen verbringt als mit seiner eigenen Familie. Deshalb ist es aus Sicht der einstellenden Unternehmen durchaus von Interesse, den zukünftigen Kollegen möglichst umfassend kennen zu lernen.
Entscheidend ist, dass all diese Informationen schnell erfassbar sind. Deshalb sollten Sie übersichtliche und aussagekräftige Themenblöcke bilden. Überlegen Sie sich genau, welche Informationen unter welchem Themenblock sinnvoll sind.
Während im deutschsprachigen Raum die Angaben in einer aufsteigend chronologischen Reihenfolge gegliedert werden, setzen mehr und mehr Bewerber auf die anglo-amerikanische Anordnung, die eine absteigend chronologische Gliederung vorsieht und damit immer die aktuellste Tätigkeit oder Ausbildung zu erst nennt. Für welche Reihenfolge Sie sich entscheiden, bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass Sie die gewählte Vorgehensweise auch durchgehend einhalten.
Die Unterschrift mit aktueller Datumsangabe am Ende des Lebenslaufs darf ebenso wenig fehlen wie die Auflistung aller relevanten Kontaktdaten zu Beginn des Lebenslaufs.
Nützliche Hinweise:
 | In aller Regel wird das Anschreiben von Seiten der Unternehmen erst nach dem Lebenslauf gelesen. Dennoch sollten Sie ausreichend Zeit in das Anschreiben investieren. Vermeiden Sie unbedingt unpersönliche Massenanschreiben. |
 | Überarbeiten Sie Ihren Lebenslauf bei jeder Bewerbung. Heben Sie die Stationen hervor, die besonders gut zur Ziel-Position passen und beschreiben Sie dabei,was Sie getan und welche Ergebnisse Sie erreicht haben. |
 | Verzichten Sie auf unnötige Informationen. Die Grundschule zu besuchen ist in Deutschland Pflicht und deshalb für Unternehmen als Information unrelevant. Von Interesse ist aber bspw. die Note Ihres höchsten Ausbildungsgrades. |
 | Achten Sie darauf, dass der Lebenslauf Ihre Leistungsmotivation und die im Anschreiben genannten Eigenschaften widerspiegelt. |
IV) Benötige ich ein Bewerbungsfoto?
Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im Sommer 2006 wird den Unternehmen geraten, auf die Anforderung von Bewerbungsfotos zu verzichten. Damit können Sie Ihre Bewerbung auch ohne ein Lichtbild versenden.
Umgekehrt ist das Beifügen eines Bewerbungsfotos bisher nicht untersagt, anders als beispielsweise in den USA. Dort ist es inzwischen üblich, Bewerbungsunterlagen mit einem Foto zurückzusenden, ohne dass eine Prüfung stattgefunden hat, weil sich Unternehmen im Falle einer Absage nicht dem Diskriminierungsvorwurf aussetzen möchten.
Sollten Sie sich für eine Bewerbung mit Lichtbild entscheiden, setzen Sie auf Qualität. Fotos aus dem Automaten oder gar private Schnappschüssen haben in einer professionellen Bewerbung nichts verloren.
Nützliche Hinweise:
 | Machen Sie sich im Vorfeld Ihres Foto-Termins ein klares Bild über die Branche, in der Sie sich bewerben. Richten Sie sich bei Ihrer Kleiderwahl nach den dort üblichen Gepflogenheiten. Ein Foto mit Schlips und Anzug wäre bei einem bekannten Möbelhaus aus Schweden eher fehl am Platz, im Bankenbereich jedoch zwingend notwendig. |
 | Achten Sie darauf, dass Sie auf dem Foto natürlich wirken. Lassen Sie sich vom Fotografen hinsichtlich des Hintergrundes und weiterer Aufnahmedetails beraten (ein dunkler Hintergrund lässt Sie tendenziell etwas älter wirken). |
 | Seien Sie kreativ! Es muss nicht immer ein Passfotoformat sein. Sie können sich durchaus auch für ein Querformat oder eine Schwarz-Weiß-Aufnahme entscheiden. |
V) Welche Anlagen gehören in die Bewerbungsmappe?
Achten Sie auch darauf, dass Ihre Anlagen vollständig und mit Bedacht gewählt sind. In aller Regel erwarten Arbeitgeber Ihre Schulabschlusszeugnisse, Ihre Zeugnisse zur Berufsausbildung, Vordiplom- und Diplomzeugnisse sowie Praktikums- und Arbeitszeugnisse. Verfügen Sie über weitere Qualifikationen (Trainerausbildung, Sprachzertifikate etc.), die für die Zielposition relevant sind, gehören diese ebenfalls in den Anhang.
Wichtig: Je mehr Berufserfahrung Sie vorzuweisen haben, desto weniger spielen Noten die entscheidende Rolle. Unmittelbar nach Studienabschluss sollten Sie auf alle Fälle das Vordiplom beilegen. Nach einigen Jahren Berufserfahrung ist dies nicht mehr nötig.
Nützliche Hinweise:
 | Schicken Sie niemals Originalzeugnisse, sondern immer nur Kopien. Achten Sie hierbei auf die Qualität des Papiers sowie des Ausdrucks. Letzteres gilt auch für gescannte Dokumente bei Online-Bewerbungen. Verwenden Sie hierbei gängige Formate wie pdf, die sich vom Unternehmen schnell und einfach ausdrucken lassen. Dabei empfiehlt sich, alle Anlagen in einem Dokument zusammenzufassen. |
 | Achten Sie bei Online-Bewerbungen auf Ihre Dateigröße. Häufig setzen Unternehmen maximale Dateimengen fest. |
 | Verzichten Sie auf doppelseitige Kopien. Diese sind in der Verarbeitung beim Unternehmen schwerer zu handhaben. |
 | Achten Sie bei der Anordnung aller Kopien auf die richtige Reihenfolge (entsprechend Ihres Lebenslaufs). |
VI) Bewerbe ich mich online, per Post oder per E-Mail?
Diese Frage beantwortet Ihnen in den meisten Fällen die Stellenausschreibung oder im Falle einer Initiativbewerbung die Hinweise auf der Online Karriereseite des jeweiligen Unternehmens.
Zahlreiche Unternehmen setzen heute ausschließlich auf Online Bewerbungen, da sich hierdurch hohe Einsparungen in der Bewerbungsadministration realisieren lassen. Die Systeme versenden eigenständig Eingangsbestätigungen, überprüfen die Erfüllung von Mindestkriterien und generieren automatische Zwischenbescheide sowie Absageschreiben.
Aus Sicht der Bewerber bieten Online Bewerbungen zumeist weniger Vorteile. Trotz erheblicher Weiterentwicklungen bieten die Eingabemasken wenig Spielraum für Individualität und passen nicht immer auf den eigenen Werdegang. Nichts desto trotz: Verlangt das Unternehmen ausdrücklich eine Online Bewerbung, ist die Versendung einer Post- oder auch E-Mail Bewerbung reine Zeitverschwendung.
Für Sie haben E-Mail Bewerbungen den Vorteil, dass sie kostengünstiger sind. Neben dem Porto sparen Sie sich teure Bewerbungsmappen. Andererseits nehmen Sie sich damit die Chance, sich von Ihren Mitbewerbern abzuheben. Dieser Vorteil kommt jedoch dann nicht zum Tragen, wenn alle eingehenden Postbewerbungen vom Unternehmen gescannt und den Fachbereichen elektronisch zur Verfügung gestellt werden. Sollten Sie die Möglichkeit im Rahmen von Karrieremessen oder Recruiting-Workshops haben, fragen Sie auf jeden Fall nach der vom Unternehmen präferierten Bewerbungsform.
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