Home >> IGAFA
 

Vorgestellt: Technologiepark Adlershof Berlin und die IGAFA

Frau Dr. Westphal, Sie leiten das so genannte „Wissenschaftsbüro“ der IGAFA, der Interessensgemeinschaft außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Berlin Adlershof. Welche Aufgaben hat das Wissenschaftsbüro?

Antwort: Als „Interessengemeinschaft“ wurde die IGAFA wirklich 1992 von den gerade neu gegründeten, aus der Akademie der Wissenschaften der DDR entstandenen Instituten, ins Leben gerufen. Mit der Notwendigkeit zu erneuernder Infrastruktur im Entwicklungsgebiet Adlershof und der Aufgabe, sich möglichst rasch in ihrem jeweiligen Forschungsfeld international zu etablieren, war eine „gemeinsame Stimme“ für die Forschungseinrichtungen unverzichtbar. Nach dieser Umbruch- und Aufbauphase etablierte sich die IGAFA als wissenschaftliches Netzwerk der Institute, das in weiten Bereichen, wie Betreuung internationaler Gäste und Bibliotheksversorgung die wissenschaftliche Infrastruktur für seine Mitglieder bereit stellt. Da heute Antworten auf Zukunftsfragen ja häufig in Bereichen zwischen den Fachdisziplinen liegen, ist die Bedeutung wissenschaftlicher Netzwerke stark gewachsen und von ihnen geht auch häufig die Initiative für Entwicklungsprozesse aus. Daher ist auch unser richtiger Name seit der Vereinsgründung 1997: Initiativgemeinschaft außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in Adlershof.
Die Geschäftsstelle der IGAFA, das Wissenschaftsbüro Adlershof, bietet Informationen über die Forschungsinstitute und organisiert wissenschaftliche Veranstaltungen in Adlershof. Für Besuchergruppen werden Führungen und Besichtigungen des Standorts und der Institute angeboten. Schülerinnen und Schüler haben jedes Jahr im September die Möglichkeit, bei den „Tagen der Forschung“ einen Einblick in die Welt der Naturwissenschaften zu erhalten. Außerdem betreibt die IGAFA zwei Internationale Begegnungszentren in Adlershof und Köpenick mit Unterbringungsmöglichkeiten für fast 100 Gastwissenschaftler aus aller Welt.


Welche außeruniversitären Forschungseinrichtungen sind in der IGAFA zusammengeschlossen?

Antwort: Alle außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Adlershof sind Mitglieder der IGAFA; das sind im Einzelnen: die Bundesanstalt für Materialforschung und –prüfung (BAM), die Berliner Elektronenspeicherringgesellschaft für Synchrotronstrahlung mbH (BESSY), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR), das Ferdinand-Braun-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH), das Fraunhofer Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik (FIRST), das Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (HZB), das Leibniz-Institut für Kristallzüchtung (IKZ), das Institute for Analytical Sciences (ISAS), das Leibniz-Institut für Katalyse e.V. an der Universität Rostock (LIKAT), das Max-Born-Institut für Nichtlineare Optik und Kurzzeitspektroskopie (MBI) sowie die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB).
Wie man leicht sieht, sind hier Institute der Leibniz-Gemeinschaft und der Helmholtzgemeinschaft, Fraunhoferinstitute und Einrichtungen der Ressortforschung angesiedelt. Ein Netzwerk ist daher für gemeinsame Aktivitäten ein essentieller Player im Technologiepark.


Welchen fachlichen Hintergrund haben Sie selbst – kommen Sie auch aus dem naturwissenschaftlichen Bereich?

Antwort: Für die Leitung eines Netzwerkbüros, wie das Wissenschaftsbüro ist die eigene Kenntnis und Erkenntnis, wie Naturwissenschaftler so ticken sicher unersetzlich. Ich habe Chemie an der Universität Freiburg und der Technischen Universität Berlin studiert und dort auch promoviert. Früh habe ich mich aber bereits auch für Fragen des Wissenschaftsmanagements interessiert und ein Aufbaustudium, BWL für Naturwissenschaftler, an der FernUniversität Hagen belegt. Nach Abschluss meiner Promotion war ich Projektmanagerin im Institut für Chemie der TU Berlin und seit 1996 bin ich im Wissenschaftsbüro in Adlershof tätig.


Sie selbst sind seit der Gründung der IGAFA 1997 dabei und haben den Aufbau des Technologieparks Berlin-Adlershof von Anbeginn mit verfolgen können. Welche Erfolgsfaktoren gab und gibt es aus Ihrer Sicht für das Gelingen eines solchen Vorhabens, das Hochschuleinrichtungen, Forschungsinstitute und Firmen auf einem Gelände vereint?

Antwort: Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen waren zu Beginn sicher das Rückgrat des Technologieparks Adlershof, der sich inzwischen zu einem der 15 größten Technologieparks weltweit entwickelt hat. Über 400 überwiegend technologieorientierte Unternehmen und die sechs mathematisch-naturwissenschaftlichen Institute der Humboldt-Universität zu Berlin vervollständigen heute das Spektrum. Insgesamt fast 20.000 Menschen arbeiten, forschen und entwickeln, lehren und lernen heute in Adlershof.
Neben der frühzeitigen Entwicklung eines engmaschigen Netzwerks waren sicher noch eine ganze Zeit lang gute wissenschaftliche Kontakte aus Akademiezeiten ein Motor der Zusammenarbeit. Wer z. B. eine spezielle Analyse benötigte und immer zu Frau Maier gegangen war, ging auch weiterhin zu ihr, dass sie heute nicht mehr in demselben Institut, sondern in einer anderen Forschungseinrichtung oder sogar in einer Firma arbeitete, störte dabei wenig.


Wie international ist Adlershof?

Antwort: Die Anzahl der ausländischen Gäste in Adlershof ist sehr hoch, egal ob es sich um Gastprofessoren, Doktoranden, Studenten oder Wissenschaftler aus Kooperationsprojekten handelt. Pro Jahr sind es allein in den außeruniversitären Forschungseinrichtungen etwa 200 Personen. Dazu kommen noch ca. 1000 Gastwissenschaftler bei BESSY und der PTB, die ein bis zwei Wochen zu Messzwecken nach Adlershof kommen. Die Internationalität zeigt sich aber auch an der hohen Zahl weltweiter Kooperationen der Institute.

Vielen Dank für das Interview!